Gibt es bestimmte Merkmale bei Tätern?

Woher kommen die Täter?

Täter kommen aus allen sozialen Schichten und aus allen Generationen. Sie sind weder durch äußere Merkmale noch durch ihren Lebensstil von nicht missbrauchenden Menschen zu unterscheiden. Die Täterschaft lässt auch keine Rückschlüsse auf die sexuelle Orientierung zu.

Dennoch gibt es statistische Aussagen über Täter, die erwähnenswert sind. Täter sexueller Gewalt sind überwiegend männlich (zwischen 93,2 und 99 %), wobei die Dunkelziffer bei Opfern weiblicher Täterinnen möglicherweise deutlich höher ist. Jeder fünfte Täter ist unter 21 Jahren alt1. Meistens ist es nicht der „böse Fremde“: Ca. 50 % aller Missbrauchsfälle geschehen durch Täter aus dem außerfamiliären Nahbereich (Bekannte, Nachbarn, Freunde, Jugendgruppenleiter, Trainer, Babysitter, ältere Schüler). Ca. 25 % der Taten werden von Familienangehörigen begangen. Ca. 25 % aller Taten werden von Unbekannten verübt2. Die Dunkelziffer bei Tätern aus dem nahen sozialen Umfeld des Opfers ist besonders hoch, da es in diesen Fällen deutlich seltener zu einer Anzeige kommt.

Wie gehen Täter vor?

Täterinnen und Täter handeln nur selten spontan. Sie planen ihr Vorgehen und wählen ihre Opfer gezielt aus. Dabei nutzen sie die Schwächen und die Verletzlichkeit der Kinder und Jugendlichen aus. Es beginnt häufig ein langsamer Prozess der Annäherung. Es kommt zunächst zu scheinbar harmlosen Körperkontakten wie z.B. eine Berührung, in den Arm oder auf den Schoß nehmen. Mit der Zeit kommen scheinbar zufällige Berührung von Brust und Genitalien dazu, schließlich folgen massive Übergriffe. Kinder verstehen dabei häufig nicht, was passiert. Der Täter bestärkt das Unwissen, indem er erklärt, sie würden ein Spiel spielen oder er kläre sexuell auf. Manchmal erweckt der Täter auch den Eindruck, als würde überhaupt nichts Besonderes passieren.

Wenn Kinder begreifen, woher das komische Gefühl kommt, dass sie das Zusammensein mit dem Täter in einigen Situationen genießen und in anderen nicht, fühlen sie sich oft mitschuldig. Dieses Schuldgefühl wird vom Täter bewusst verstärkt, indem er dem Kind vorwirft, sich nicht gegen Berührungen gewehrt und diese deshalb ja auch genossen zu haben. Oftmals belohnen Täter sexuelle Handlungen mit Geschenken, Privilegien oder Zuwendung, so dass das Kind die Schuld noch weniger beim Täter sucht.

Im Allgemeinen forcieren Täter die Isolation des Kindes (z. B. verbietet der Vater Freundschaften, das Schlafen bei Verwandten oder Geschenke von anderen). Dadurch wird das Kind abhängiger und hat gleichzeitig weniger Personen, an die es sich hilfesuchend wenden kann. Je näher sich Täter und Opfer kennen, umso leichter ist es für den Täter, das Kind zum Schweigen zu bringen. Er kann es massiv unter Druck setzen, so dass es das gemeinsame „Geheimnis“ für sich behalten muss.

Welche Ursachen bzw. Motive stehen hinter solchen Taten?

Nur ein kleiner Prozentsatz der Täter ist in seiner sexuellen Orientierung auf Kinder fixiert (Pädophilie). Die meisten haben Sexualkontakte mit Erwachsenen und können in Beziehungen leben. D. h. nur selten begehen Täter einen Missbrauch, allein um sexuelle Wünsche zu befriedigen. Ein bedeutendes Motiv ist der Wunsch, Macht auszuüben und sich durch die Tat überlegen zu fühlen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche und Männer, die selber Opfer sexueller Gewalt gewesen sind, zu Tätern werden, ist dreimal höher als bei jenen, die keinen Missbrauch erlebt haben. Das Trauma wird weitergegeben. Der Schmerz über die erlebte Ohnmacht wird durch die Macht über das Opfer zu stillen versucht. Sie reinszenieren ihr eigenes Erleben, nun aber mit einem anderen Ausgang. Sie stehen endlich auf der Seite des Stärkeren.

Menschen, die sich sexuell von Kindern angezogen fühlen oder den Gedanken in sich verspüren, sich an Kindern zu vergreifen, sollten sich dringend beraterische bzw. therapeutische Hilfe suchen, ehe es zu einer Tat kommt! Das gilt auch dann, wenn bereits Straftaten vorliegen, z. B. Kinderpornografie konsumiert wurde oder es reale Übergriffe gab. Hilfen dazu gibt es unter www.kein-taeter-werden.de.

Wie steht es um das Gewissen der Täter?

Werden Täter mit ihrem Vergehen konfrontiert, zeigen sie zumeist keine tiefe Einsicht. Viele verharmlosen die Tat und deuten das Verhalten des Opfers als Einverständnis. Sie führen ein Doppelleben. Das nach außen gezeigte, oft gut bürgerliche Leben ist im Inneren nicht mit der geheimen Tat verknüpft. Insofern haben viele Täter überhaupt keinen inneren Konflikt. Dies ist besonders bitter, wenn die Täter auf der einen Seite vorbildlich engagierte Christen sind, aber auf der anderen Seite Kinder oder Jugendliche missbrauchen.

1 - Zahlen nach www.regenbogenwald.de/themen/missbrauch/5.htm - Zugriff am 04.05.2015

2 - Zahlen nach Deegener, Günther: Kindesmissbrauch, Weinheim/Basel 1998

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