Schwangerschaftsabbruch – eine Lösung?

Methoden

Vakuumaspiration und Ausschabung

Am häufigsten wird innerhalb der ersten 12 Schwangerschaftswochen nach der Befruchtung die „Vakuumaspiration“ angewendet, das sind ca. ¾ aller Schwangerschaftsabbrüche: Das Kind wird mit starkem Druck auseinandergerissen und zusammen mit dem Schwangerschaftsgewebe aus der Gebärmutter abgesaugt. Wenn danach noch Gewebereste oder auch Teile des Kindes in der Gebärmutter verbleiben, muss sich eine Ausschabung mit einem stumpfen Hohl-Löffel („Curettage“) anschließen, da es sonst später zu einer Entzündung der Gebärmutter kommen kann. In 11% der Fälle wird heute noch der gesamte Schwangerschaftsabbruch so durchgeführt: Nach der Eröffnung der Fruchtblase wird das Kind durch den stumpfen Hohllöffel zerteilt und mitsamt des Schwangerschaftsgewebes aus der Gebärmutterhöhle entfernt.


Abtreibungspille

Fast gleich oft (12%) wird die Abtreibungspille „Mifegyne“ eingesetzt. Sie hemmt die Wirkung von Progesteron, die Versorgung des Kindes wird abgebrochen und bereitet die Öffnung des Muttermundes vor. 48 Stunden später wird ein Wehen förderndes Mittel eingenommen, das zur Ausstoßung des Kindes und des Schwangerschaftsgewebes führt.

Spätabtreibung

Nach dem dritten Schwangerschaftsmonat ist ein Kind bereits so groß, dass keine der genannten Methoden angewendet werden kann. Es muss dann nach Gabe von Wehenmitteln auf „normalem“ Wege zur Welt gebracht werden, die Geburt wird in einer Klinik eingeleitet. Dies nennt man Spätabtreibung. Je weiter fortgeschritten die Schwangerschaft ist, desto mehr kann es vorkommen, dass das Kind dabei sogar noch lebend geboren wird.

Situation in Deutschland

Komplikationen, Häufigkeit, Alternativen, Verarbeitung eines Schwangerschaftsabbruchs … Menschenskinder, so oft? Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2009 in Deutschland 110.694 ungeborene Kinder im Mutterleib getötet. Nicht erfasst sind inoffizielle Schwangerschaftsabbrüche und solche, die im Ausland vorgenommen wurden. Daher ist von einer deutlich höheren Dunkelziffer auszugehen. Sachinformation zu Abtreibungsverfahren finden Sie im Internet.

Risiken

Bedenkenswertes zum Thema Schwangerschaftsabbruch: Auch wenn er vielfach als „kleiner Eingriff“ verharmlost wird – ein Schwangerschaftsabbruch ist ein medizinischer Eingriff mit der Möglichkeit körperlicher und seelischer Folgen für die Betroffenen.

Körperliche Risike

Anhand der gemeldeten Zahlen werden folgende, direkt mit dem Eingriff verbundene Risikofaktoren deutlich (nach Häufigkeit, 0,52% der gemeldeten Eingriffe):

  • Nicht näher bezeichnete „sonstige Komplikationen“
  • Nachblutungen / Stärkere Blutungen
  • Durchstoßen der Gebärmutterwand
  • Fieber / Entzündung der Gebärmutterschleimhaut
  • Gewebeeinriss am Gebärmutterhals
  • Entzündung der Eileiter, des Halteapparates der Gebärmutter, Blutvergiftung (Sepsis)
  • Blutübertragungen
  • Narkosezwischenfall
  • Blutgerinnsel (Thrombose), Embolie

 

Spätfolgen

Noch Wochen und Monate nach dem Schwangerschaftsabbruch können Spätfolgen auftreten: Blutungsstörungen und Entzündungen der Gebärmutterhöhle werden vor allem dann relevant, wenn das Schwangerschaftsgewebe nicht vollständig entfernt wurde. Dann ist meist eine Nachoperation erforderlich. Wenn die umliegenden Eileiter und der Unterleib sich entzünden, sind durch Verklebungen ausgelöste Eileiterschwangerschaften oder eine Sterilität als Langzeitfolgen möglich. Sie können einen späteren Kinderwunsch erheblich behindern oder gar unmöglich machen.

Psychische und psychosomatische Folgen

Berichte über die psychische Situation nach Schwangerschaftsabbrüchen variieren zwischen einem Gefühl der Erleichterung und erheblichen Schuldgefühlen. Es werden Depressionen und Störungen, die an eine psychosoziale Belastungssituation nach Traumata erinnern, beschrieben. Mitunter können diese sich aber auch erst Jahre später scheinbar aus „heiterem Himmel“ durch bestimmte Auslöser, wie den eigenen Kinderwunsch, den Verlust der Fruchtbarkeit oder andere herausfordernde Lebenssituationen zeigen. Die Klinikseelsorgerin Ursula Heckel spricht in diesem Zusammenhang von „später Trauer“. Jeder Mensch reagiert überaus individuell auf Stressauslöser und sucht sich meist altgediente Bewältigungsmechanismen. Das kann auch die Verlagerung auf die körperliche Ebene sein. Vielen psychosomatischen Krankheitsbildern ist nicht immer leicht auf die Spur zu kommen. Bedenkenswert ist: Wir bewegen uns hier in einem Spannungsfeld der Erfahrungsberichte und der Tatsache, dass sehr verbreitete Beschwerdebilder wie z.B. Depressionen, Abhängigkeiten oder Beziehungsprobleme ausgesprochen vielfältige Ursachen haben können. Depressionen z.B. mögen durch einen Schwangerschaftsabbruch ausgelöst sein. Es gibt jedoch auch zahlreiche andere Gründe dafür. In Erfahrungsberichten von Betroffenen treten solche Beschwerdebilder allerdings gehäuft auf. Daher kommen wir nicht umhin, dies zu thematisieren und ausdrücklich als möglichen Verursacher beim Namen zu nennen.

Verarbeitung eines Schwangerschaftsabbruchs

Die Aufarbeitung eines Schwangerschaftsabbruchs kann langwierig, schmerzhaft und doch letzten Endes wertvoll sein. Sich mit einer einfühlsamen Beraterin/einem einfühlsamen Berater den eigenen Empfindungen und der Verantwortung zu stellen und zu erleben, dass in allem Unabänderlichen und allen Schuldgefühlen von Gott her Heilung, Trost und Vergebung möglich sind, kann Betroffene auf ihrem Weg durch einen oftmals längeren Trauerprozess stärken und ermutigen.

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