Störungen meistern

Physische Faktoren

Allgemeine körperliche Verfassung

Eine gute körperliche Verfassung fördert das sexuelle Erleben. Natürlich kann man auch mit unabänderlichen körperlichen Grenzen guten Sex haben. Trotzdem ist es sinnvoll, im Rahmen des individuell Möglichen an seiner Fitness zu arbeiten, z. B. durch regelmäßige sportliche Betätigung.

Paare berichten, dass ihr Sexleben besser geworden ist, seit sie mehr Sport treiben. Sport stärkt die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper und fördert das Vertrauen in die eigene Attraktivität. Bei der Frau wirkt sich eine gute Beckenbodenmuskulatur positiv auf die partnerschaftliche Sexualität aus und ist gleichzeitig auch noch eine Vorbeugung gegen Senkungsbeschwerden und Inkontinenz. Für das Training gibt es mannigfaltige Kursangebote.

Ärztliche Behandlungen

Krankheiten und Operationen beeinflussen verständlicherweise die Möglichkeiten sexueller Betätigung. Auch manche Medikamente dämpfen die sexuelle Erregbarkeit bzw. die Erektionsfähigkeit des Mannes.

Beipackzettel, der verschreibende Arzt oder der Apotheker geben über diese Nebenwirkungen Auskunft. Nicht immer stellen sich aber die Dinge ein, die man auf den Beipackzetteln lesen kann. Und mitunter existieren die Symptome schon weit vor der Medikamenteneinnahme. Deshalb ist es ratsam, erst einmal in Ruhe zu beobachten, was wirklich geschieht und genau zu überlegen, wann die Beschwerden erstmals aufgetreten sind. Ggf. kann man nach einer Alternative fragen. Es gibt auch Frauen, die bei Einnahme der Anti-Baby-Pille über einen Libidoverlust klagen.

Reproduktionsmedizinische Therapien wirken sich nicht selten dämpfend auf die sexuelle Lust aus, da damit erhebliche Belastungen verbunden sind, vor allem für die Frau. Manchmal mündet der unerfüllte Kinderwunsch in „Sex nach Plan“, und es stellt sich Lustlosigkeit ein.

Schwangerschaft

Sex während der Schwangerschaft ist an sich in aller Regel möglich und nicht schädlich für das Kind. Aber es gibt Einschränkungen. Zum Beispiel dann, wenn eine Frau zu vorzeitigen Wehen oder Frühgeburtlichkeit neigt, es Blutungen in der Schwangerschaft gab/gibt, der Mutterkuchen sehr tief oder gar vor dem Ausgang der Gebärmutter liegt (Placenta praevia), sollte kein Sex stattfinden. Auch vor der Geburt hängt es davon ab, ob der Kopf bereits fest im Becken verankert ist oder ob beim Blasensprung die Nabelschnur des Kindes zwischen Kopf und Geburtsweg eingeklemmt werden kann. Daher sollten Sie die Frage nach Sex in der Schwangerschaft im konkreten Fall immer mit Ihrer Frauenärztin besprechen.

Zudem kann das Lustempfinden der Frau verändert sein. Ihre gesundheitliche Verfassung und Bereitschaft spielen eine entscheidende Rolle. In der fortgeschrittenen Schwangerschaft sollte die Frau generell darauf achten, nicht ganz flach auf dem Rücken zu liegen, da die Gebärmutter mit dem Kind sonst auf die untere Hohlvene drücken und den Blutrückfluss zum Herzen behindern kann. Das kann Kreislaufprobleme, Blutdruckabfall, Herzrasen bis zur Ohnmacht auslösen.

Sex nach der Geburt des ersten Kindes kann ganz anders als vorher empfunden werden. Manche Frauen empfinden weniger Lust. Durch das Stillen verändert sich der Hormonhaushalt, die Scheide ist oft trockener. Sie kann sich durch die Geburt auch verändert haben, so dass Erregung auch anders oder neu gelernt werden muss. Manche Frauen empfinden sich durch die Veränderung als nicht mehr so schön.

"Ob ein Mann seine Frau nach ein paar Kindern noch genau so begehrt wie am Anfang, ist auch eine Sache der Einstellung. Frauen glauben viel zu oft, dass Männer vor allem den perfekten Körper wollen. Dabei ist es immer der ganze Mensch, der verführt. Mit Phantasie, mit Charme, mit Selbstvertrauen. Übrigens bei beiden Geschlechtern."

Roxane (37)

Für viele Männer ist es Ehrensache, bei der Geburt dabei zu sein. Es ist aber wichtig zu wissen, dass diese Erfahrung unter Umständen als traumatisch erlebt werden und zu einer Libidostörung führen kann. Statistiken reden von 15 % der Männer! Wer sich dafür entscheidet, sollte sich deshalb bewusst mental vorbereiten (Geburtsvorbereitungskurs) und sich ehrlich prüfen, ob man einem höchst natürlichen, aber nicht unbedingt ästhetischen Vorgang so nahe sein möchte. Eine traumatisch empfundene Geburt kann die Lust auf Sex auch bei der Frau zum Erliegen bringen.

Alter

Die Wechseljahre können die Sexualität von Mann und Frau verändern. Seine Regenerationsphase dauert länger, oft bis zum nächsten Tag, bei einzelnen auch deutlich länger. Bei Frauen steht oft die Scheidentrockenheit durch Östrogenmangel im Vordergrund. Hilft ein Gleitgel allein nicht, empfiehlt sich der Gang zur Frauenärztin. Diese kann ggf. auch eine östrogenhaltige Creme verschreiben, wenn dies vom Gesundheitszustand der Frau her ratsam ist.

Psychische Faktoren

Zu den seelisch bedingten Hindernissen für erfüllenden Sex gehören Minderwertigkeitsgefühle. Wer sich selbst nicht mag, lässt sich nicht gern anschauen, zweifelt an seiner Attraktivität und damit an der Liebe des Partners, was diesen wiederum kränken kann. Wer kein positives Verhältnis zu seinem Körper hat, scheut evtl. Berührungen. Manche Menschen haben wenig gelernt, Emotionen zu zeigen, was die Kommunikation zwischen den Partnern erschwert. Auch Konflikte zwischen den Partnern oder mit anderen Personen können die Sexualität beeinträchtigen. Schließlich kann sich ein unerfüllter Kinderwunsch hemmend auf die Sexualität auswirken. Ggf. sollte man diese Hindernisse durch geeignete Beratung aus dem Weg räumen.

Ängste wirken sich oft hemmend auf die sexuelle Lust aus, z. B. Ängste …

  • hinsichtlich der eigenen sexuellen Funktionen (Wird mein Penis steif und wie lange? Wird meine Scheide feucht? Werde ich zum Höhepunkt kommen? Wird es wieder weh tun? Hoffentlich kann er den Penis einführen)
  • vor Herausforderungen im Leben (Arbeit, Geldsorgen)
  • vor Beschämung durch den Partner
  • vor unerwünschter Schwangerschaft oder auch vor ungewollter Kinderlosigkeit
  • vor dem nächsten Mal, wenn es nitch geklappt hat
  • vor Körperflüssigkeiten
  • vor sexuell übertragbaren Krankheiten
  • vor Grenzüberschreitungen

Zunehmend erweisen sich durch Pornografie geprägte Bilder und Vorlieben als Hindernis für partnerschaftliche Sexualität. Im Vergleich mit unrealistischen Idealen schneidet der reale Partner schlecht ab, oder man fühlt sich selbst unzureichend. Wer sich regelmäßig mit Hilfe von pornografischen Medien selbst befriedigt, kann sich dann oft schwerer auf einen realen Partner einstellen. Regelmäßiger Pornokonsum kann zu einem suchtähnlichen Verhalten führen, das nicht mehr ohne beraterische Hilfe zu kontrollieren ist. Mehr zu Internet-Sexsucht

Verzögerter und frühzeitiger Orgasmus

Wenn der Höhepunkt während des Geschlechtsverkehrs nicht oder sehr spät erreicht wird, sollte man den Orgasmus nicht vortäuschen, etwa damit sich der Partner nicht als Versager fühlt. Sex ist kein Leistungssport. Besser ist, ehrlich über die individuellen Grenzen zu reden und gemeinsam erfüllende Formen der Sexualität zu entwickeln. Die meisten Frauen kommen z. B. durch die alleinigen Bewegungen des Penis in der Scheide nicht zum Orgasmus. Manche erreichen diesen nur durch die (zusätzliche) Reizung des Kitzlers oder der Brustwarzen. Andererseits kann es bei beiden Geschlechtern vorkommen, dass schon bei minimaler Stimulation ein Orgasmus ausgelöst wird.

Ein zu schneller Samenerguss wird meist von beiden als enttäuschend empfunden. Die Ursachen sind vielfältig: Lange Trennung, Krankheit oder sexuelle Abstinenz aus anderen Gründen führt beim Mann evtl. zu sehr starker Erregung. Schon das Eindringen in die Scheide löst die Ejakulation aus. Kommt dies häufiger vor, führt es zu Versagensangst, das Problem kann sich verfestigen. Möglich ist auch die Gewöhnung durch häufige Masturbation. Gelingt es dem Mann nicht, seine Erregungskurve anders zu steuern, kennt die Sexualberatung Möglichkeiten (wie z.B. die Drucktechnik, mehr dazu hier), die dabei helfen (hier Berater suchen). Bei Fragen rund um die männliche Sexualität kann der Mann sich auch vertrauensvoll an einen Urologen wenden.

Fehlendes Verlangen

Ein insgesamt nachlassendes sexuelles Verlangen wird oft als Verlust der Libido bezeichnet. Zunächst nimmt das sexuelle Verlangen im Alter bei vielen Menschen ab, allerdings individuell sehr unterschiedlich. Bestimmte Krankheiten oder ihre Medikation können das sexuelle Interesse dämpfen oder sogar zum Erliegen bringen (z.B. Depressionen, Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, Bluthochdruck, Hormonelle Störungen der Schilddrüse oder Nebenniere). Ob ein Libidomangel oder –verlust empfunden wird, ist individuell sehr unterschiedlich. Niemand muss sich hier an angeblich objektiven Häufigkeiten messen. Zum Problem wird allerdings, wenn der andere Partner dauerhaft sexuelle Befriedigung vermisst.

Entgegen älteren Annahmen kann Selbstbefriedigung keine negativen körperlichen Folgen haben, solange sie nicht exzessiv praktiziert wird, also mehrmals an jedem Tag. Aber sie kann die Partnerschaft beeinträchtigen. Vor allem dann, wenn die Spannung im Solo-Sex abgebaut wird und das Interesse am Partnersex erlischt. Immer wieder berichten Menschen auch, dass Selbstbefriedigung vor allem kombiniert mit Pornografie bei ihnen suchtartige Züge angenommen hat und sie nicht ohne weiteres wieder davon lassen können. Bei der Frage, ob ich bereits Suchtverhalten entwickelt habe und wie ich es überwinden kann, hilft der Online-Workshop porno-ausweg.de, den das Weiße Kreuz in Kooperation mit ERF-Medien anbietet.

"Das kann ein richtiges Problem sein, wenn man immerzu irgendwelche Zerrbilder von Sex und Frauen im Kopf hat. Aber wenn man richtig investiert, kann das trotzdem überwunden werden. Und du wirst frei für das Abenteuer, mit einem anderen Menschen aus Fleisch und Blut ganz eins zu sein. Dann ist wirklich jemand da, den du berühren kannst und der dich berührt. Und wo du eben nicht vorher genau weißt, was passiert."

Stefan (43)

Spezifische Störungen

Erektile Dysfunktion

22% der 25-40 jährigen Männer haben Probleme mit der Erektionsfähigkeit. Das Glied wird gar nicht oder nicht ausreichend (lange) fest für den Geschlechtsverkehr. Es gibt organische Ursachen, wie Diabetes mit diabetischer Polyneuropathie, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Folgen von Operationen und Nebenwirkungen von Medikamenten. Als psychische Ursachen kommen Stress, Versagensängste, Leistungsdruck oder Konflikte mit der Partnerin in Frage. Auch Übergewicht, Rauchen, Drogen und Alkohol können eine Rolle spielen. Eine sichere individuelle Diagnose kann nur der Facharzt stellen.

Medikamente wie Viagra können die Erektionsfähigkeit verbessern. Sie steigern aber nicht die sexuelle Erregung an sich. Da sie nicht frei von Nebenwirkungen sind, sollte die Einnahme unbedingt mit einem Arzt abgesprochen werden. Im Volksmund werden Erektionsstörungen oft einfach als „Impotenz“ bezeichnet. Die ist jedoch ein Oberbegriff, der auch Zeugungsunfähigkeit und die Unfähigkeit zum Samenerguss (Anejakulation) einschließt.

Vaginismus

Als Vaginismus bezeichnet man Probleme, trotz des ausdrücklichen Wunsches einer Frau etwas in die Scheide einzuführen. Die frühere Erklärung, es handle sich um eine Verkrampfung der Scheidenmuskulatur, ist insofern umstritten, als der Krampf der Muskulatur bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Jedenfalls ist die Betroffene nicht in der Lage, etwas in die Scheide einzuführen oder einführen zu lassen. Dies kann bereits beim ersten Sexualkontakt oder erstem Versuch etwas einzuführen (z.B. Tampon, med. Untersuchungsspiegel) auftreten (primärer Vaginismus), aber auch später (sekundärer Vaginismus).

Für einen Vaginismus kommen ganz unterschiedliche Ursachen in Frage, zum Beispiel Angst vor Schmerzen, unangenehme ärztliche Untersuchungen, frühere Infektionen im Genitalbereich, eine als schmerzhaft erlebte Geburt und vieles andere mehr. Betroffene sollten keinesfalls automatisch einem Missbrauchs- oder Vergewaltigungsverdacht ausgesetzt werden. Bei nicht vollzogener Sexualität warten Betroffene aus Scham oder Unwissenheit über therapeutische Möglichkeiten oft sehr lang, sich Hilfe zu suchen, obwohl dies vielfach eine gute Prognose hat. Zur Beratersuche

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