In Beziehung sein

Zwei gegensätzliche Konzepte

Der Streit um das Thema Sex wird heute oft verkürzt auf den Gegensatz zwischen traditionellen und modernen Überzeugungen. Die Loslösung vom biblischen Konzept erscheint dabei als fortschrittlich, wer daran festhält, als ewig gestrig. In Wahrheit geht es um unterschiedliche Konzepte, die es beide schon seit Jahrtausenden gibt (mehr dazu hier)

Sex braucht mehr als raffinierte Techniken

Im Mainstream wird Sexualität vor allem als Quelle individueller Lust wahrgenommen und damit aus ihrem Beziehungszusammenhang gelöst. Deshalb wird erfüllte Sexualität vor allem von der richtigen Technik erwartet. Gefragt sind Tipps zur Belebung des Sexuallebens incl. mehr oder weniger hilfreicher Accessoires und Sextoys (Spielzeuge). Auch Pornografie wird mit diesem Ziel eingesetzt, obwohl sich immer mehr herumspricht, welche bewusstseinsverändernden und suchtähnlichen Effekte es dabei geben kann (mehr dazu hier). Die ungebrochene Popularität des Kamasutra könnte ebenfalls seine Wurzel darin haben, dass es konkrete Techniken anbietet.

Im Kamasutra, einer altindischen Lehrschrift aus dem 3. Jh. n. Chr., werden u. a. Formen des Geschlechtsverkehrs detailliert beschrieben und bildlich dargestellt. Es beruht auf der hinduistischen Lehre des Tantrismus, der die Kraft der Sexualität durch ritualisierte Ausübung zu beherrschen sucht. Ziel ist nicht die Steigerung des Genusses, sondern die Unabhängigkeit von den natürlichen Antrieben. Das Kamasutra setzt den sozialen Kontext der indischen Kastengesellschaft voraus und bindet die Erotik in Texte zur Gestaltung der Beziehungssphäre insgesamt ein (z. B. zur rechten Brautwerbung). Die modern-westliche Verwertung dieser alten Schrift nutzt also nur selektiv das „technische“ Wissen, ohne sich auf die dahinterliegende Lebensphilosophie einzulassen.

Sex braucht auch Wissen und Können

Die Frage nach dem „Wie“ muss aber nicht ausgeblendet bleiben. Etwa, weil man sich scheut oder wirklich nicht in der Lage ist, darüber zu sprechen. Oder weil aufgrund der eigenen sexuellen Lerngeschichte unterschwellig das Sexuelle irgendwie als etwas Schmutziges wahrgenommen wird. Manchmal gibt es auch konkretere, in der Regel unbewusste Ängste, z. B. vor zu großer Nähe und intimen Berührungen oder einfach vor dem mit der sexuellen Erregung verbundenen Kontrollverlust.

"Das ist schon irgendwie komisch, über so persönliche Dinge offen und konket zu reden. Obwohl's in Medien ja teilweise total krass gemacht wird. Aber wenn es um mich geht ... Da will ich meinem Gegenüber echt vertrauen können. Und dann ist es glaube ich auch wichtig und gut."

Ariane (27)

Wenn die Frage nach dem „Wie“ des Intimverkehrs ausgeblendet bleibt, kann sich sexuelle Befriedigung nur zufällig einstellen. Im Horizont des christlichen Glaubens wird dann gern alles von Gottes Fügung erwartet. Wohl kann Gott Chancen der Begegnung schenken, in der Liebe und Begehren wachsen können. Aber diese Chancen wollen auch ergriffen und Beziehungen angemessen gestaltet werden. Wie man gelingende Kommunikation ein ganzes Stück lernen muss und auch lernen kann, so gilt dies auch für die Fähigkeit, sich gegenseitig sexuell Befriedigung zu verschaffen.

Eine gestörte Beziehung wird keine noch so raffinierte Technik ausgleichen. Andererseits muss Sex auch im „Wie“ gut erlernt werden, damit die erlebte Freude die Beziehung stärken kann. „Sexualität macht Liebe und Liebe macht Sexualität schön.“ (Rolf Trauernicht) Deshalb wollen wir auf diesen Seiten über die Gestaltung der ehelichen Beziehung insgesamt reden. Aber auch Tipps und Hinweise zum „Wie“ sollen nicht fehlen.

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