Sexualität erwartungsvoll annehmen

Eine geniale Idee des Schöpfers

Der liebe Gott und die Liebe – das erscheint manchen vor allem als Konfliktgeschichte. Tatsächlich hat sich die christliche Tradition mit einer positiven Sicht auf die menschliche Sexualität zum Teil schwer getan. Sie wurde vor allem von ihren unbestreitbaren Gefährdungen her wahrgenommen. Zum Zwecke der Fortpflanzung galt sie zwar als unverzichtbar. Aber das mit ihr eng verbundene Lusterleben war oft genug verdächtig. Sexualität erschien als etwas Schmutziges, über das man nicht spricht. Auch nicht in der Ehe.

Ich habe das auch noch so gelernt, dass die Ehe dazu da ist, die Triebe zu bändigen. Und dass man dem Mann gehorchen soll. Zum Glück habe ich bei meinem Mann ganz viel Wertschätzung, Liebe und Zärtlichkeit erlebt. Deshalb kann ich heute sagen: Leute, verheiratet zu sein ist eine wunderbare Sache.

Brigitte (54)

Betrachtet man die Entwicklung genauer, zeigt sich, dass die inzwischen viel kritisierte Tabuisierung in den letzten Jahrhunderten stärker war als noch im Mittelalter. Seit einigen Jahrzehnten ist nun die Stimmung umgeschlagen. Es scheint, als könne man gar nicht genug über Sex reden. Nicht selten mit einem kritischen Seitenhieb auf das Christentum, dessen Moral populistisch auf Sexualfeindlichkeit reduziert wird. Das christliche Leitbild von Ehe und Familie wird bei der Gelegenheit gleich mitverteufelt und eine andere Lebensphilosophie propagiert, in der Sexualität ausschließlich von ihrem Lustaspekt her wahrgenommen wird. Eine ganzheitliche Beziehung scheint dafür verzichtbar.

Ein Geschenk Gottes an das Leben

In der Bibel wird die Sexualität als großartige Gabe des Schöpfers betrachtet. Sie eröffnet Mann und Frau eine Form der Gemeinschaft, die sie mit keinem anderen Menschen teilen. Deshalb braucht sie den Schutzraum einer verlässlichen Beziehung, wie sie die Ehe bietet. Sexualität steht in einem klaren Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt. Aber sie ist nicht nur zu Fortpflanzungszwecken da. Sie gehört bleibend zur Ehe und fördert ihren Zusammenhalt, der auch für das Heranwachsen von Kindern in Geborgenheit wichtig ist. So bindet die Ehe verschiedene Dimensionen des Lebens zusammen, die sich gegenseitig brauchen und fördern.

Lesetipp

Arbeitsheft 2 - Ehe und Lebensgemeinschaft

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Dieses Leitbild wird in der Bibel nicht abwertend oder ausgrenzend gegen die Menschen gewendet, denen es in ihrem individuellen Schicksal versagt bleibt. Es ist auffällig, welche Wertschätzung gerade unfruchtbaren Frauen in der Bibel zuteilwird, obwohl reiche Nachkommenschaft zu biblischer Zeit wirtschaftlich und bevölkerungspolitisch sehr wichtig war. Das vielbeklagte demographische Problem der europäischen Länder zeigt immerhin, dass Nachkommenschaft auch für moderne Gesellschaften nicht grundsätzlich verzichtbar ist. Das heißt: Die biblischen Aussagen müssen sachgemäß in unsere heutige Zeit übertragen werden. Gegenstandslos geworden sind sie aber nicht.

Ein Geschenk der Liebenden füreinander

Die Ehe ist keine Erfindung sexualfeindlicher Kirchenmänner. In ihr steckt vielmehr ein kulturelles Erfahrungswissen, das uns über die Bibel hinaus menschheitsweit begegnet. Etwas so Intimes wie die Sexualität braucht offenbar einen geeigneten Beziehungsrahmen. Denn die Liebenden beschenken sich gegenseitig mit dem Persönlichsten, das Menschen miteinander teilen können. Zusammen können sie eine Lust erleben, die anders nicht zu gewinnen ist.

Zahlreiche biblische Texte reden ganz unbefangen und positiv über Sexualität. Hier eine kleine Auswahl nach der sehr textgetreuen Elberfelder Übersetzung:

Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde, und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen! (1. Mose 1,27.18)

Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden. (1. Mose 2,24)

Deine Quelle sei gesegnet, erfreue dich an der Frau deiner Jugend! … ihre Brüste sollen dich berauschen jederzeit, in ihrer Liebe sollst du taumeln immerdar! (Sprüche 5,18.19)

Er hat mich ins Weinhaus hineingeführt, und sein Zeichen über mir ist Liebe. Stärkt mich mit Traubenkuchen, erquickt mich mit Äpfeln, denn ich bin krank vor Liebe! Seine Linke liegt unter meinem Kopf, und seine Rechte umfasst mich. (Hoheslied 2,4-6)

Der Apostel Paulus sieht Eheleute sogar in der Verantwortung, sich einander die sexuelle Begegnung nicht vorzuenthalten, damit sich das Begehren nicht illegitime Wege sucht (1. Kor 7,3-5). Dies ist nicht als Nötigung misszuverstehen, dem anderen jederzeit jeden sexuellen Wunsch zu erfüllen, schon gar nicht einseitig als Recht des Mannes an der Frau. Aber die Basis erfüllter Sexualität ist gerade der Wunsch, den Partner glücklich zu machen und nicht nur sich selbst.

Eine atemberaubende Vision

Die Bibel sieht den Menschen realistisch. Deshalb thematisiert sie auch die mit der Sexualität verbundenen Gefährdungen. Etwa im 6. Gebot (2. Mose 20,14 und 5. Mose 5,18) und den vielen Texten, die sich gegen käuflichen Sex („Hurerei“), regellos gelebte Sexualität („Unzucht“) und sexuelle Gewalt (1. Mose 19 und 34; Ri 19) richten. Aber auch diese biblischen Grenzziehungen sollen das Sexualleben nicht etwa unfrei machen, sondern den Raum schützen, in dem sich Sexualität gelingend entfalten kann.

Dem biblischen Zeugnis zufolge dürfen wir uns angstfrei als geschlechtliche Wesen erkennen und Sexualität lustvoll erleben. Die Bibel sagt uns aber auch, dass unsere Welt nicht mehr in ihrer heilen Ursprungsverfassung ist (Vgl. 1. Mose 3). Als Sünder bleiben wir Gott und dem Nächsten vieles schuldig. Deshalb wird eine vollkommen erfüllte Sexualität auch in der besten Ehe eine Illusion bleiben. Aber Paare dürfen immer wieder gemeinsam danach suchen, wie Gott ihre Ehe gemeint hat. Dann haben sie gute Chancen, ein Stück von dem Glück zu erfahren, das wir bis heute mit dem schillernden Begriff „Paradies“ verbinden.

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