Auf den Punkt kommen

Stellungen

Die Stellungen beim Sex gehören zu den Lieblingsthemen populärer Sexberatung. Natürlich kann es spannend sein, Neues zu probieren. Aber meist kristallisieren sich im Laufe der Zeit einige Lieblingsstellungen heraus. Entscheidend ist, was beiden gefällt, nicht, was Magazine oder Ratgeber im Internet als vermeintlichen Standard präsentieren. Viel praktiziert werden folgende Varianten:

  • Die Frau liegt auf dem Rücken, der Mann auf ihr, zwischen ihren Beinen. (Die Bezeichnung „Missionarsstellung“ beruht auf der von Alfred Kinsey1 ausgelösten Legende, Missionare hätten manchen Naturvölkern dies als einzige erlaubte Stellung verkündet. Aus christlicher Sicht gibt es keine bevorzugte Stellung, sondern lediglich die Maßgabe, dass die Würde beider Partner gewahrt wird und die Erwartungen beider Partner gleichberechtigt sind.)
  • Der Mann liegt unten, die Frau setzt sich auf ihn, das Gesicht ihm zugewandt. Sie kann die Eindringtiefe des Penis gut kontrollieren.
  • Beide liegen seitlich, er hinter ihr.

 

1) http://www.zeit.de/2003/24/Stimmts_P_24, Zugriff am 17.1.2018

Tempo

Sexuelle Bedürfnisse sind individuell verschieden. Das gilt auch für das Tempo. Im Durchschnitt steigt die Erregungskurve bei Frauen langsamer an, während Männer oft zügig zum Höhepunkt kommen wollen. Aber es kann für den Mann durchaus interessant ein, eine längere Spannungskurve zu trainieren, und je nach seiner gegenwärtigen Verfassung/Alltagssituationen, aus denen er gerade kommt, kann es auch dauern, bis der Mann sich auf Sex einlassen kann und seine Erregungskurve steigt. Frauen können auch schnell erregt sein und Quickies mögen. Sexualität kann für beide befriedigend sein, wenn sie immer wieder herausfinden, was dem anderen jetzt gerade wichtig ist, und darauf eingehen.

Gelingende Sexualität muss nicht darin bestehen, dass es mehr oder weniger geradlinig zu Penis-Scheide-Geschlechtsverkehr kommt. Gerade bei älteren Paaren kann dies manchmal gar nicht mehr möglich (durch Genitaloperationen, körperlich bedingte Erektionsstörungen beim Mann etc.) oder nicht mehr für beide beglückend sein (z. B. Trockenheit und Überempfindlichkeit der Scheide bei der Frau). Das gilt oft auch für körperliche Behinderungen/Einschränkungen. Auch deshalb ist es wichtig, Sexualität und Intimität möglichst umfassend zu verstehen und auszuleben.

"Ich will ja nicht alles verraten, aber Sex muss nicht aus dem Leben verschwinden, nur weil man älter wird. Mit Geduld und Phantasie und vor allem mit Vertrauen und Respekt geht da was."

Brigitte (54)

Weitere sexuelle Praktiken

Sexuelle Erregung und Befriedigung geschieht nicht nur beim so genannten genitalen Geschlechtsverkehr. Partner können sie sich auch durch stimulierende Berührungen der Geschlechtsorgane gegenseitig verschaffen (Petting), bis hin zum Orgasmus. Das erfordert Einfühlungsvermögen und gute Kommunikation. Es kann die Sexualität ganz allgemein bereichern oder sie lebendig erhalten, wenn genitaler Geschlechtsverkehr körperlich nicht (mehr) möglich ist.

Heute werden auch sexuelle Praktiken offen empfohlen und von vielen angewandt, die für andere auch Fragen aufwerfen. Eine grundsätzliche Ablehnung ist nicht leicht zu begründen. Grundlegend ist aber immer, dass die sexuelle Praxis miteinander klar abgesprochen ist und die Freiheit und die Würde beider Partner wahrt. Auch gesundheitliche Risiken sollten sorgfältig erwogen werden. Niemand ist genötigt, für solche Praktiken offen zu sein. Zur Orientierung wollen wir jedoch die wichtigsten hier nennen:

  • Oralsex ist die Stimulation der Geschlechtsorgane durch den Mund des Partners. Was bei manchen Menschen auf heftige Abwehr stößt, erleben andere als lustvoll. Wichtig ist auf jeden Fall, dass auch hier ein Infektionsrisiko besteht. So kann beispielsweise eine lästige, aber an sich harmlose Herpeserkrankung der Lippe beim Oralsex in den Intimbereich transferiert werden und dort eine heftige und schwerwiegende Herpeskrankung auslösen.

 

  • Analsex bezeichnet das Eindringen des Penis in den Anus. Dazu muss man wissen, dass der Enddarm dafür nicht geschaffen ist und es ohne besondere Vorkehrungen ein erhebliches Verletzungsrisiko gibt. Ohne ausreichend Gleitgel kommt es zu Schädigungen der empfindlichen Darmschleimhaut und des Schließmuskels. Und auch hier besteht ein klares Infektionsrisiko, insbesondere deshalb, da der Darm naturgemäß zur Verdauung des Stuhlgangs Bakterien nutzt, und es dort Billionen von Keimen gibt.

 

  • Unter dem Kürzel BDSM (Bondage – Dominanz – Sadomasochismus) werden alle sexuellen Praktiken zusammengefasst, zu denen Fesseln, Herrschaftsgefälle zwischen den Partnern und gespielte Gewalt gehören. Nicht wenige Menschen erleben solche Inszenierungen als lustvoll. Gleichzeitig muss darauf hingewiesen werden, dass dies auch aus dem Ruder laufen kann oder möglicherweise zur Akzeptanz echter Gewalt beiträgt. Die Grenze zwischen besonderen Vorlieben und anerkannten Störungen ist fließend. Andererseits sollte sicher nicht jedes spielerische Necken, Kneifen oder Beißen unter den Generalverdacht des Sadomasochismus fallen. Wichtig ist, dass die Würde der Partner einander gegenüber gewahrt bleibt.

 

  • Inzwischen ist der Gebrauch von so genannten Sextoys weithin gängig geworden. Erotikshops bieten eine Fülle von Artikeln an, die auf verschiedenste Weise sexuelle Erregung verstärken bzw. das Lustempfinden stimulieren sollen. In Lebenskonzepten, in denen Sexualität auch ohne verbindliche Beziehung gelebt werden kann, überbrücken solche Hilfsmittel nicht selten das Fehlen von Vertrautheit und helfen, emotionale Defizite durch technisch induzierte sexuelle Gefühle auszugleichen. Dass Hilfsmittel dieser Art aber auch eheliche Sexualität bereichern können, muss deshalb nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Inzwischen gibt es auch Hilfsmittel speziell für partnerschaftlichen Sex von Senioren. Wichtig ist in jedem Fall das klare Ja beider Partner und der sachgemäße Gebrauch. Außerdem ist zu beachten, dass zum Beispiel Vibratoren einen starken Reiz setzen, der meist bei natürlicher Stimulation nicht erreicht wird. Lässt man das Hilfsmittel weg, kann es sein, dass die Erregung sich nicht oder viel schwerer einstellt.

In der christlichen Tradition sind alle diese Varianten, wie auch Petting und Masturbation, abgelehnt worden. Hintergrund war die Überzeugung, dass Sex überhaupt nur zum Zweck der Fortpflanzung statthaft sei. Sexuelle Aktivitäten, bei denen eine Zeugung grundsätzlich ausgeschlossen ist, könnten dann nicht als legitim betrachtet werden. Die so begründete Zurückhaltung prägt auch heute noch viele Ehen, die dieses verengte Denken eigentlich gar nicht teilen. In der Bibel finden sich sehr wohl Hinweise darauf, dass Sexualität weit mehr ist als Fortpflanzung und auch die Lust ganz dazugehört (siehe Glaube und Sexualität). Wenn wir Sex als grundsätzliche eheliche Beziehungsebene verstehen, die nicht im Fortpflanzungszweck aufgeht, können wir sie differenzierter betrachten. Manche Sextoys sind eine Hilfe, wenn einer der beiden Partner beim Berühren des Genitalbereiches des Partners Scheu hat oder Ekel empfindet. Entscheidend ist, was die Partner für sich und vor Gott als stimmig erleben.

Orgasmus

Der Moment, in dem die Lust ihren rauschhaften Höhepunkt erreicht, gilt üblicherweise als das erstrebenswerte Ziel jeder sexuellen Begegnung. Doch wer sich darauf fixiert, erlebt alles, was sonst geschieht, als Mittel zum Zweck, und das Ausbleiben des Orgasmus als Enttäuschung oder Versagen. Sexualität kann auch als schön erlebt werden, wenn man intim zusammen ist, ohne einen Höhepunkt zu erreichen und einfach Zärtlichkeit miteinander genießt.

Der gleichzeitige Höhepunkt von Mann und Frau ist eher eine Sternstunde als der Regelfall. Schön, wenn es einmal so ist! Aber die Partner sollten sich da keinen Druck machen. Sexualität lebt davon, dass man sich fallen lässt und Kontrolle abgibt. Wichtig ist, dass beide grundsätzlich die Gelegenheit haben, zum Höhepunkt zu kommen, wenn sie es wünschen. Oft tritt das zuerst beim Mann ein. Danach erschlafft der Penis, so dass die Frau dadurch nicht mehr stimuliert werden kann. Er kann sie dann ggf. mit der Hand befriedigen. Oder er trainiert seinen Spannungsbogen bzw. stimuliert sie zunächst mit der Hand, so dass sie zuerst ihren Orgasmus erlebt. Da der Spannungsabfall bei Frauen meist weniger abrupt ist und sie zu multiplen Orgasmen fähig sein kann, kann auch er dann noch zu seinem Höhepunkt kommen, meist sogar beim Penis-Scheide-Verkehr. Manche Frauen erleben in dieser Reihenfolge dann auch nach vorheriger manueller Stimulation beim Penis-Scheide-Verkehr noch einen weiteren Höhepunkt.

Danach

Nach einem Orgasmus bildet sich die körperliche Erregung unterschiedlich schnell zurück. Bei ihm geht dies meist schneller. Es beginnt eine je nach Alter und Person unterschiedlich lange Zeit, in der das Glied für sexuelle Reize unempfindlich ist, die sogenannte „Refraktärphase“. Bei der Frau hält die Erregung meist länger an, und sie kann z.T. wieder sehr schnell zum Höhepunkt gelangen. Nicht wenige Frauen haben multiple Orgasmen hintereinander. Eine „Refraktärphase“ gibt es bei der Frau nicht.

Es ist für die Beziehung gut, die sexuelle Begegnung gemeinsam ausklingen zu lassen. Sie kann enttäuscht sein, wenn er sich gleich danach auf die Seite rollt und zu schnarchen beginnt. Wenn jemand nach dem Geschlechtsverkehr häufiger unangenehme Gefühle, Aggressivität oder Schuldgefühle empfindet, kann es sehr hilfreich sein, die Gründe einmal in einer Sexualberatung abklären zu lassen. hier Beratung suchen

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