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Käuflicher Sex - gleich nebenan

Käuflicher Sex - gleich nebenan

Ausgabe: Nr. 69 - II/2017

Veröffentlicht: 12.06.2017

Aus dem Inhalt:

Gerhard Schönborn, Menschenhandel und Zwangsprostitution in Deutschland

Wilbirg Rossrucker, Ein Haus lässt hoffen

Nikolaus Franke, Der Freier als Sklave - Macht der Sexualität

Martin Leupold, Das Geheimnis der Ehe

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Liebe Leserinnen und Leser,


irgendwie wird in unserer Welt alles zur Ware. Sogar Liebe und Sexualität scheinen käuflich. Manche fordern inzwischen, das angeblich älteste Gewerbe der Menschheit endlich als Teil gesellschaftlicher Normalität zu akzeptieren. Für andere bleibt die Prostitution ein Übel, das mit allen Mitteln bekämpft werden muss.

Doch Prostitution hat viele Gesichter. Die Gründe, warum Menschen ihren Körper verkaufen, sind sehr verschieden. Ebenso die Situationen, in denen das geschieht. In diesem Heft versuchen wir, die Wirklichkeit von Prostitution und sexueller Ausbeutung in unserem Land ein Stück in den Blick zu bekommen. Wie so oft gelingt dies nur, wenn wir verschiedene Perspektiven einnehmen. Gerhard Schönborn hat täglich mit Frauen zu tun, die aus anderen Ländern mit falschen Versprechen nach Deutschland gelockt und hier zur Prostitution gezwungen werden.
Er kennt die verzweifelte Situation dieser Menschen und benennt dabei klar die Gesetzeslücken, die das in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern zusätzlich begünstigen.

Wie Prostitution die Seele auszehrt, selbst wenn man sie mehr oder weniger freiwillig betreibt, weiß Wilbirg Rossrucker zu erzählen. Sie kümmert sich zusammen mit anderen Christen um solche Frauen und bietet ihnen einen Ort, wo sie einmal Abstand von ihrem Alltag gewinnen
und zu sich kommen können.

Das Geschäft mit der Sexualität lebt letztlich von den Käufern und denen, die daran verdienen. Nur die Prostitution und die darin Beschäftigten als Problem wahrzunehmen, greift deutlich zu kurz und führt zu einer unehrlichen Doppelmoral. Nikolaus Franke geht den Motiven der Sexkäufer nach und zeigt Perspektiven auf, wie an dieser Stelle Veränderung möglich werden kann.

Unter dem heute als herabwürdigend empfundenen Stichwort „Hurerei“ ist Prostitution schon in der Bibel ein Thema. Es geht dabei nicht nur darum, ein Fehlverhalten zu markieren. Schon gar nicht mit dem Ziel, dass sich die vermeintlich Gerechteren positiv davon abheben können
(vgl. Joh 8,1-11). Es geht um die Treue, ohne die Beziehung nicht gelingen kann – weder die Beziehung von zwei Menschen untereinander noch die Beziehung zwischen uns und Gott. Die Theologischen Notizen greifen deshalb die Frage auf, welche Bedeutung die Ehe in geistlicher
Hinsicht trägt.

Wir wollen mit diesem Heft nichts beschönigen. Wir wollen Zusammenhänge wahrnehmen, in denen Sexualität verkauft und gekauft wird. Denn nur so können Chancen der Veränderung sichtbar werden. Oft steht eine Not im Hintergrund, für die wir sensibilisieren wollen. Wir
ermutigen auch zum Gebet für alle, die im Kreislauf sexueller Ausbeutung und Gewalt gefangen sind. Schließlich wollen wir im Sinne einer ehrlichen Inventur die Frage aufwerfen, wo sich auch unter Christen heimlich Begehrlichkeiten und Gewohnheiten eingenistet haben, von denen dieses System lebt. Vielen Dank, dass Sie sich durch unsere Zeitschrift informieren und zu einer erweiterten Wahrnehmung einladen lassen!

Ihr
Martin Leupold, Leiter Weißes Kreuz e. V.

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