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Liebe in der Zeit des Internets

Liebe in der Zeit des Internets

Ausgabe: Nr. 66 - III/2016

Veröffentlicht: 23.09.2016

Aus dem Inhalt:

Dietrich Riesen, Eberhard Freitag, "Liebe und Web 2.016"

Dr. Gudrun Kugler, "Fische im Netz: Partnersuche via Internet-Kontaktbörsen"

Nikolaus Franke, "Der Mensch wird am PC zum Ich"

"Das Weiße Kreuz im Netz - weltweit und aktuell"

Martin Leupold, "Theologische Notizen: Was ist 'biblisch'?"

Nikolaus Franke, "Ein Bericht aus dem Reisedienst: Teenstreet"

Ausgabe "Liebe in der Zeit des Internets" als PDF herunterladen

Liebe Leserinnen und Leser,

der Titel dieser Zeitschrift legt fast nahe, einzustimmen in den Klagegesang vieler Eltern und Pädagogen, die sich darum sorgen, welche Folgen der wachsende Medienkonsum auf die Werteentwicklung und Beziehungsfähigkeit der jungen (und in Wirklichkeit auch der nicht mehr ganz so jugendlichen) Generation haben wird. Gerade Christen beobachten diese Entwicklung eher kritisch.

Und es stimmt: Wenn ich Revue passieren lasse, welche Gespräche ich allein in den letzten Wochen geführt habe, ging es oft in schmerzlicher Weise um Liebe in Kombination mit dem Internet. Ein Ehepaar kam zu mir. Die Frau hatte ihren Mann nun schon so häufig beim Pornografiekonsum erwischt, dass sie schon nicht mehr ärgerlich, sondern nur noch resigniert war. Sie war tief verletzt, weil sie sich so betrogen fühlte.

An einem anderen Tag rief eine junge Mitarbeiterin einer Gemeinde an. Eine Jugendliche hatte sich ihr anvertraut, dass sie schon eine Weile einen intensiven Chatkontakt mit einem deutlich älteren Mann hat. Der Inhalt ihrer Kommunikation war eindeutig sexualisiert.

Und wie oft erlebe ich es nach Veranstaltungen, dass mich Männer wie Frauen vorsichtig ansprechen, ob es etwas gebe, das man gegen Internetsucht tun könne.

Auf der anderen Seite mache ich aber auch ganz andere Erfahrungen. Kürzlich rief eine Frau an. Seit 30 Jahren verheiratet und genauso lange stand das Paar vor großen Schwierigkeiten im sexuellen Bereich. Noch nie hatte sich die Frau jemandem anvertraut. Ich nannte ihr den Namen einer sexuellen Funktionsstörung, die mit solchen Symptomen verbunden ist, die die Frau mir geschildert hat. Noch während des Gespräches schaute sie im Internet nach und bekam viele gute Informationen über Möglichkeiten der Hilfe. Die Frau war überglücklich, endlich zu wissen, was sie hat und was ihr helfen könnte. Dem Internet sei es gedankt!

Und wenn ich mir dann noch anschaue, wie viele Paare ich kenne, die sich über christliche Portale kennen und lieben gelernt haben, gehen Liebe und Internet doch immer wieder auch eine gute Liaison ein.


Das Internet ist weder grundsätzlich Segen noch Fluch. Ob es das eine oder andere wird, hängt in der Regel vom jeweiligen User ab. Die Gefahren und Anfechtungen sind größer geworden als im Vor-Internet-Zeitalter, keine Frage – die Chancen aber auch! Letztlich setzt ein guter Umgang mit der Liebe in der Zeit des Internets die Beherzigung alter christlicher Tugenden voraus: das Maßhalten und die Bereitschaft, die eigenen Gedanken wie das Begehren gefangen zu nehmen unter den Gehorsam Christi (2. Kor. 10,5). Ohne das Training in diesen Disziplinen nützen alle Mahnungen zum vorsichtigen Gebrauch mit dem Internet gar nichts.

Kai Mauritz

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