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Arbeitsheft 3 - Was uns zusammenhält - Bindung verstehen

Arbeitsheft 3  - Was uns zusammenhält - Bindung verstehen

Arbeitsheft 3 - Was uns zusammenhält - Bindung verstehen

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Liebe Leserinnen und Leser,

dass unsere Gesellschaft sich rasant verändert, davon muss heute niemand mehr überzeugt werden. In wohl allen Lebensbereichen ist der Wandel inzwischen mit Händen zu greifen. Ob die Globalisierung uns fremde Kulturen und Religionen auf den Leib rücken lässt, ob Digitalisierung und neue Medien das Lebenstempo ständig erhöhen oder unser Kommunikationsverhalten in noch nicht absehbarer Weise verändern – kaum jemand hat die Chance, sich der Entwicklung zu entziehen.

Von vielen wird dieser Wandel euphorisch begrüßt und mit der Erwartung einer immer besseren Welt verbunden. Andere nehmen darin unkalkulierbare Risiken wahr und registrieren den Verlust aller Konstanten, die dem Leben in der Vergangenheit Halt gegeben haben, wie Heimat, Familie und Sitte. Oft vollziehen sich Veränderungen nicht schlagartig in politischen oder kriegerischen Großereignissen, sondern schleichend und subtil, dafür aber umso nachhaltiger. Nicht selten werden sie erst bemerkt, wenn sie längst etabliert sind.

Auch die Beziehungen, in denen Menschen leben, unterliegen tiefgreifenden Veränderungen. Verglichen mit früheren Generationen gibt es heute sehr viel mehr Möglichkeiten, Beziehungen einzugehen. Grenzen der Familie, des Wohnorts, sogar des Landes, haben an Bedeutung verloren und werden biografisch immer früher überschritten. Beziehungen finden nicht nur real, sondern zunehmend auch virtuell statt. Beziehungen werden so aber auch kurzlebiger und oft oberflächlicher. Einerseits gibt es eine verbreitete Scheu, anderen gegenüber Verpflichtungen einzugehen, weil das als Einschränkung der Freiheit wahrgenommen wird. Andererseits bleibt die Sehnsucht nach unzweifelhafter Zugehörigkeit offensichtlich vital und äußert sich u. a. in manchmal schockierenden Anpassungsleistungen an die Menschen, denen man gern zugehören will.

Gelingende Beziehungen zwischen Menschen sind eine Grundbedingung unserer Zivilisation. Deshalb können wir solche Entwicklungen nicht einfach kommentarlos geschehen lassen. Wir fragen nach den Konsequenzen für unser Zusammenleben und suchen sie bewusst mitzugestalten. Wir wollen dabei weder mögliche Risiken ausblenden noch uns den Blick auf mögliche Chancen von vornherein verstellen. Entwicklungen haben immer auch Hintergründe, denen man auf die Spur kommen muss, wenn man sie verstehen und konstruktiv beeinflussen will.

Weltweit anerkannte Forschungen sagen uns: Allen Beziehungen liegt das Bindungsverhalten des Menschen zugrunde, das maßgeblich in den ersten Lebensjahren erworben wird. Hier werden die Spuren gelegt, denen Menschen ihr Leben lang mehr oder weniger folgen. Sie können eine Stabilität der Persönlichkeit begründen, aus der heraus eine Vielzahl verschiedener Beziehungen eingegangen und auch in Spannungen bewährt werden kann. Sie können aber auch die Wurzeln für Verhaltensweisen legen, die Beziehung erschweren oder sogar unmöglich machen.

Aus unserer Beratungstätigkeit wissen wir, wie viele Menschen sich nach tragfähigen Beziehungen sehnen und sich zugleich damit schwer tun. Deshalb wollen wir mit diesem Arbeitsheft die Erkenntnisse über die Entwicklung der Bindungsfähigkeit bekannter machen. Wir wollen für ihre möglichen Konsequenzen in verschiedenen Lebensbereichen sensibilisieren und Beispiele für ihre Umsetzung auf verschiedenen Praxisfeldern geben.

Im Namen unseres ganzen Redaktionsteams wünsche ich Ihnen eine hilfreiche Lektüre.

Martin Leupold, Leiter Weißes Kreuz e. V.

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