Sexualität - Genussmittel oder Qualität von Beziehung?

Zwei Konzepte von Sexualität

Konzept 1 – Sexualität als „Genussmittel“

Der westliche Mainstream definiert Sexualität überwiegend als Quelle individuell erlebter Lust. Dafür werden Partner gesucht. Mehrheitlich wird in diesem Zusammenhang auch eine längerfristige Beziehung angestrebt. Zwingend ist das aber nicht. Sex ist auch isoliert davon vorstellbar. Der Partner bleibt Objekt, auf den sich der eigene sexuelle Antrieb richtet. Der Sprachgebrauch der Psychoanalyse unterstützt diese Perspektive. Weil dieses Verständnis von Sexualität die Bedürfnisse des Individuums in den Mittelpunkt stellt, werden seine Konsequenzen als Freiheit erlebt. Die Forderung, für die sexuelle Praxis und ihre Folgen Verantwortung zu übernehmen, erscheint als Einschränkung dieser Freiheit.

Konzept 2 – Sexualität als Qualität von Beziehung

Dieses Konzept nimmt Sexualität primär als Geschehen innerhalb einer besonderen Beziehung wahr. Es orientiert sich nicht primär am Interesse des Einzelnen, sondern fragt, was Sex für die Beziehung bedeutet und dazu beiträgt. Das sexuelle Begehren ist wesensmäßig auf ein Gegenüber gerichtet, auch dann, wenn es für sich selbst befriedigt wird. In diesem Konzept benutzen die Partner einander nicht als Objekte, sondern respektieren sich als Subjekte. Das bedeutet für sie keine Einschränkung, sondern gemeinsam erlebte Freiheit, in der selbstverständlich zugleich Verantwortung wahrgenommen wird: für sich, für den Partner und für ein möglicherweise gezeugtes Kind.

Sexualität und Bindung

Der Zusammenhang zwischen Sexualität und Beziehung wird auch durch die Humanwissenschaften gestützt. Wir wissen heute, dass sexuelle Aktivitäten im menschlichen Körper hormonelle Prozesse in Gang setzen, die für das Entstehen von Bindungen verantwortlich sind. Menschen, die Sex miteinander haben, werden durch diese Prozesse mental in ihrer ganzen Persönlichkeit verbunden. Je intimer eine Beziehung gelebt wird, desto schmerzhafter ist ihr Zerbrechen. Natürlich kann man solche Effekte auch gewaltsam übergehen und vielleicht sogar abtrainieren. Wenn die Sexualität des Menschen aber grundsätzlich im Zusammenhang mit seinem Beziehungsverhalten steht, kann das für unser Verständnis der Sexualität und die entsprechende Praxis nicht außer Acht gelassen werden.

„Ich dachte, so ein One-Night-Stand ist mal eine erfrischende Abwechslung. Man hat Spaß miteinander und ist sich hinterher nichts schuldig. Aber jetzt merke ich, dass ich mich nach diesem Mann sehne. Dabei weiß ich nicht mal, wie ich ihn wiederfinden kann. Und ob es nicht eine Riesenenttäuschung wäre, wenn es doch gelingt.“ Bianca (25)

Sowohl die genannten Statistiken als auch die Erkenntnisse über das Bindungsverhalten zeigen, dass Sexualität nicht von der Beziehungsebene isoliert werden kann.Damit ist aber noch kein christliches Verständnis der Ehe begründet. Wissenschaftliche Erkenntnisse haben keine Offenbarungsqualität. Auch dann nicht, wenn sie biblische Aussagen stützen. Einer christlichen Ethik liegt immer die Bibel zugrunde. Die Reformation brachte das auf die kurze Formel „sola scriptura“ (dt.: allein die Schrift).

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