Zahlen und Fakten zur Ehe

Die Zahl der Eheschließungen fiel von ca. 750.000 im Jahr 1950 auf knapp 369.000 im Jahr 2007 (1). Sie hat sich also in diesem Zeitraum fast halbiert. Im Verhältnis fiel sie in dieser Zeit von 11 auf 4,5 Eheschließungen je 1.000 Einwohner. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der 18-jährigen, die bereits über sexuelle Erfahrungen verfügen, von 20 auf ca. 70 % an (2). Seit 2007 hat sich die Zahl der Eheschließungen pro Jahr auf niedrigerem Niveau stabilisiert und lag 2014 mit knapp 386.000 (4,8 je 1.000 Einwohner) wieder etwas höher (3).

Wovon Paare träumen

Eine neuere Studie unter Studierenden stellt fest: „70 Prozent wünschen sich, ein Leben lang zusammen zu bleiben, 76 Prozent wünschen sich, in der Zukunft gemeinsam Kinder zu bekommen.“ (4) Einer anderen Studie zufolge halten von mehr als 8.000 Befragten fast 70 % eine glückliche Partnerschaft für das wichtigste Ziel im Leben. Auf Platz zwei liegt die Familie mit immerhin 64,7 %, während beruflicher Erfolg, Karriere und Vermögen nur für jeweils ein Drittel der Befragten wichtig sind. (5) Bei den Erwartungen an eine Partnerschaft liegen Kameradschaft (91,7 %) und Treue ganz vorn (88,4 %). Immerhin 82,7 % wünschen sich, dass die Liebe ein Leben lang hält. (6)

Treue ja - aber nicht für alle Zeit

Der Wunsch nach einer dauerhaften Beziehung, in der die Partner einander treu sind und gemeinsam Kinder haben, ist nach wie vor beherrschend. Zur klassischen Ehe entschließen sich viele Paare aber nicht. Oder erst dann, wenn sie bereits jahrelang zusammen leben. Sie begründen dies oft mit der Sorge, dass ihre Treue zueinander nicht ein ganzes Leben lang halten könnte. Die traditionelle Formel „bis dass der Tod euch scheidet“ wird zunehmend als Überforderung empfunden. Eine Mehrheit will eine verlässliche Beziehung, aber nur auf Zeit. Eine Trennung erscheint dann nicht so klar als Scheitern. Die Option, irgendwann eine andere Partnerschaft einzugehen, bleibt offen. Unter Fachleuten hat sich dafür der Begriff „serielle Monogamie“ eingebürgert.

„Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich 12 war. Aber es ging schon Jahre vorher los. Ständig Streit, später wochenlang Funkstille. Und danach? Mal bist du bei ihr, mal bist du bei ihm. Und jedes Mal aufpassen, was du sagst! Ich will mal eine Beziehung, aus der man ohne diesen ganzen Terror wieder herauskommt.“ Patrick (23)

Ehescheidungen und Patchworkfamilien

Manche scheuen eine Eheschließung auch aufgrund schmerzhafter Erfahrungen mit der Trennung der eigenen Eltern oder der von Freunden.Tatsächlich ist zeitgleich mit dem langfristigen Rückgang der Eheschließungen ein Anstieg der Scheidungen zu verzeichnen.

Entwicklung der Ehescheidungen

Der Tiefststand lag hier in den Jahren 1955 bis 1962 mit weniger als 50.000 Scheidungen pro Jahr. Da 1961 gleichzeitig fast 700.000 Ehen geschlossen wurden, beträgt das Verhältnis der Scheidungen zu den Trauungen nur 7 %. Am höchsten lag die Zahl der Scheidungen im Jahr 2003, nämlich bei fast 214.000. Bei gleichzeitig knapp 383.000 Eheschließungen war das eine Scheidungsrate von fast 56 %. Inzwischen ist die Zahl wieder kontinuierlich gesunken (7).

Ein direkter Zusammenhang zwischen der Anzahl der Scheidungen und der sinkenden Bereitschaft zur Ehe ist statistisch nicht nachweisbar. Langfristig ist die Zahl der Scheidungen aber ebenso angestiegen, wie die der Eheschließungen gesunken ist. Die Ehe hat ihre Selbstverständlichkeit eingebüßt. Ob man heiratet oder nicht, wird nutzenorientiert abgewogen.

Entwicklung von Patchworkfamilien

Die Entwicklung hat auch Auswirkungen darauf, wie Familien heute aussehen. Lag 1996 eine Ehe noch bei ca. 7,6 Millionen oder 81,4 % der Familien mit Kindern zugrunde, traf dies 2014 nur auf 5,5 Millionen oder 69,3 % zu. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit Kindern von ca. 450.000 (4,8 %) auf 830.000 (10,3 %), die Zahl der Alleinerziehenden von 1,3 Millionen (13,8 %) auf 1,6 Millionen (20,3 %). (8) Im Jahr 2013 sind etwa 10 % der Familien so genannte Stieffamilien, d. h. mindestens eines der Kinder ist nicht das leibliche Kind eines der Partner. (9) In den genannten 18 Jahren sank auch die Zahl der Haushalte mit Kindern insgesamt stark.

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Fußnoten:

(1) Quelle: Statistisches Bundesamt - 03.02.2016

(2) Pro-familia-magazin 3-2013, S. 5

(3) Quelle: Statistisches Bundesamt - 03.02.2016

(4) Pro-familia-magazin 3-2013, S. 5

(5) Elite-Partner-Studie 2015, S. 14

(6) Elite-Partner-Studie 2015, S. 20

(7) Quelle. Statistisches Bundesamt - 14.04.2016

(8) Quelle. Statistisches Bundesamt - 14.04.2016

(9) Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Stief- und Patchworkfamilien in Deutschland, 2013. S. 10