Wonach wir uns sehnen

Unsere Grundbedürfnisse in Beziehungen

„Wenn ich mich verliebe, dann mit Haut und Haaren. Vor allem, wenn ich merke, dass der andere mich genauso liebt. Dann möchte ich nur noch mit meinem Partner zusammen sein. Ohne ihn fühle ich mich nicht komplett. Deshalb habe ich aber auch große Angst davor, ihn wieder zu verlieren, und tue alles dafür, dass das nicht passiert.“ Janine, 23

Menschen suchen nach Sicherheit

Wir möchten dazugehören, von Beginn an. Als Baby suchen wir die Zugehörigkeit zu unseren Eltern, der Familie und in der vertrauten Umgebung. Wenn wir älter werden, suchen wir unsere Sicherheit weiterhin in Beziehungen – in Firmen, Gruppen, Gemeinden oder Freundschaften. Das Gefühl dazuzugehören, gibt uns Geborgenheit, Nähe und Lebenskraft. Wenn wir aber dieses Bedürfnis nach Zugehörigkeit fast nur bei einem Partner suchen, überfordern wir ihn mit falschen Erwartungen: Den perfekten Partner, der alle Defizite ausgleicht, gibt es nicht. Durch diesen Anspruch kann eine sogenannte Co-Abhängigkeit entstehen, die langfristig beide überfordert und bis zur Trennung führen kann. Deshalb brauchen wir ein Gleichgewicht in unserem Sicherheitsbedürfnis. Wir brauchen ein gesundes Selbstbewusstsein, eine befreite Gottesbeziehung und vertrauensvolle Beziehungen mit anderen Menschen.

Menschen suchen nach Nähe

Wie wir Nähe (er)leben, hängt von unserer Kultur, Familie und unseren bisherigen Erfahrungen ab. Oft werden äußere Nähe und Sexualität mit innerer Nähe verwechselt. Manche Menschen suchen die Nähe eines anderen Körpers, aber sind sich innerlich nicht nahe. Ältere Ehepaare, die getrennt voneinander sitzen, können sich zum Beispiel näher sein, als ein Paar, das ständig Körperkontakt hat, aber sich innerlich fern ist. Andere Paare leben sich auseinander und verlieren die Nähe. Die Sehnsucht nach Nähe aber bleibt, bei jedem Menschen. Viele von uns müssen deshalb neu lernen, eine ausgewogene Mitte zwischen Nähe und Distanz zu finden. Intimität entsteht nicht in erster Linie durch körperliche Begegnung, sondern durch gelebte Nähe, indem ich die Ängste, Sorgen und Gefühle des anderen wahrnehme, seine Sehnsüchte des Lebens. Dazu muss ich mir Zeit für den anderen nehmen und ihn so wahrnehmen wie er ist – auch mal schwach und verwundbar. Menschen sind sich dann besonders nahe, wenn sie ehrlich sind. Die Trennung zwischen Intimität und Sexualität macht auf Dauer beide Partner unzufrieden.

Menschen suchen nach Wertschätzung

Erfahren wir als Kinder, dass wir wertvoll sind, können wir „ja“ sagen zu unseren Stärken und Grenzen und anderen vertrauen. Werden wir zu wenig wertgeschätzt, fühlen wir uns alleine und verunsichert. Deshalb brauchen wir auch als Erwachsene gegenseitige Wertschätzung, indem wir einander sehen und das auch durch Worte und Gesten deutlich machen. Wir drücken einander Achtung und Respekt aus, wir sprechen über unsere Gefühle und nehmen die Leistung des anderen wahr. Wir loben, ermutigen, und ermahnen einander. Wir achten aufeinander. Wertschätzung beinhaltet immer Interesse für den anderen: Was denkt, macht oder erlebt mein Gegenüber wirklich? Wer diese Aufmerksamkeit nicht oder zu wenig erlebt hat, sucht Wertschätzung oft in abhängigen Beziehungen, opfert sich auf oder entwickelt Süchte.

Menschen suchen nach Anerkennung

Wir wollen nicht nur selbst bewundert werden, sondern auch andere bewundern. Wir möchten uns mit einer Firma oder einer Gemeinde identifizieren, hinter der wir stehen können. Wir sehnen uns nach einem Partner, mit dem wir uns zeigen können. Die Identifikation mit anderen stärkt unser Selbstbewusstsein. Wenn wir eine gelungene Arbeit, die Schöpfung oder Gott bewundern, tun wir uns auch selber Gutes. Unsere Mitmenschen sind jedoch Originale. Der andere ist nicht mein Besitz. Ein Indianer soll gesagt haben: „Ich sah einen Stein am Wegesrand. Er war so schön. Ich ließ ihn liegen.“ Auf unsere Beziehungen übertragen heißt das: Bewundere deinen Partner, aber verändere ihn nicht. Sieh seine einmaligen Seiten. Lass ihn liegen in seinen Gedanken, Erkenntnissen, Begabungen, Besonderheiten. Der oder die andere ist und bleibt ein Geheimnis. Durch unsere Bewunderung wird die Schönheit des anderen entfaltet. Und durch Bewunderung entdecken wir auch Erstaunliches an uns selbst.

Die Erfüllung dieser vier Grundbedürfnisse ist immer die Aufgabe jedes einzelnen Menschen – und nicht die eines anderen. Wie das gelingen kann, erfahren Sie auf den nächsten Seiten.

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