Voraussetzungen für gelingende Beziehungen

Was wir selbst besser machen können

„Meine letzte Freundin war sehr anhänglich. Je mehr Freiheit ich wollte, desto mehr hat sie geklammert. Meine neue Partnerin ist ganz anders. Trotzdem beschleicht mich immer diese leise Panik, wenn sie über ihre Bedürfnisse redet. Eigentlich will ich ihr nahe sein, sie ist eine tolle Frau. Trotzdem halte ich sie auf Abstand. Ich fürchte, sie wird mich deshalb bald verlassen.“ Matthias, 32

Welche Übertragungen passieren mir?

Manchmal übertragen wir unsere bisherigen Erfahrungen auf andere Menschen, ohne diese wirklich wahrzunehmen, und verbauen uns damit Beziehungen.

Einige Beispiele:

Eine Frau ist eifersüchtig, weil ihr Mann sich so gut mit ihrer Tochter versteht. Als sie ein Kind war, wurde sie von ihrem eigenen Vater vernachlässigt. Jetzt überträgt sie diese Erfahrung auf ihren Mann, von dem sie sich ebenfalls vernachlässigt fühlt.

Ein Mann hat Probleme mit unzuverlässigen Menschen, weil seine Mutter unzuverlässig war.

Eine andere Frau litt in der Kindheit unter der Autorität des Großvaters und hat heute Schwierigkeiten, Autoritäten anzuerkennen.

Ein anderer Mann musste als Kind oft die Mutter vor dem Vater schützen. Als Erwachsener sieht er sich als Beschützer seiner Freundin, die sich dadurch eingeengt fühlt.

Wenn wir uns unseren ersten Beziehungserfahrungen nicht stellen, bekämpfen wir unsere dunklen Seiten bei unseren Partnern. Doch dieser Kampf hat einen anderen Schauplatz – er gehört in die Vergangenheit und nicht in die Gegenwart. Deshalb müssen wir unsere Defizite kennen lernen. Dann können wir sie in unserer Beziehung thematisieren und miteinander verändern. Wenn wir uns nicht von unseren Erfahrungen mit unseren Eltern gelöst haben, reagieren wir oft nicht erwachsen. Mit unserer in der Kindheit erlernten Reaktion auf Eltern-Botschaften überfordern wir unsere Partner. Besonders spürbar werden solche Verknüpfungen bei Weihnachtsbesuchen, Familienfeiern oder der Planung der Hochzeit. Auch Geschwister, Gleichaltrige, Lehrer, erste Freundschaften haben unsere Art, wie wir Beziehungen leben, geprägt.

Was hat mich geprägt?

Wie habe ich die Beziehungen in unserem Wohnort, bei Freunden oder Geschwistern oder in Krisenzeiten erlebt? Wie war die Einstellung meiner Familie zum Geld, zum Studium oder zur Arbeit? All das prägt uns. Manche sind dadurch programmiert auf ein wählerisches Verhalten. Andere wollen keine Entscheidungen fällen. Die nächsten kennen nur oberflächliche Gespräche und fühlen sich deshalb in Konflikten wohl, weil dann wenigstens kommuniziert wird.

Damit wir in Beziehungen frei reagieren können, müssen wir uns unserer Wurzeln bewusst werden und sie hinterfragen: Ist mir Status wirklich so wichtig oder arbeite ich nur so viel, weil ich Angst habe, wieder so wenig Geld zu haben wie in meiner Kindheit? Helfe ich anderen Menschen tatsächlich gerne oder tue ich das aus Pflichtgefühl, weil meine Mutter mir immer ein schlechtes Gewissen eingeredet hat?

All diese Botschaften aus der Kindheit können Auswirkungen auf die Beziehungen der Gegenwart haben. Manchmal bestehen auch noch Verbindungen zu Menschen, die uns nicht gut tun und gelöst werden müssen. Doch auch viele gute Erfahrungen haben uns geprägt: Was hat uns geholfen, beziehungsfähig zu werden, und wie können wir das heute weiter ausbauen?

Wenn Übertragungen und Prägungen aufeinanderprallen:

Viele Beziehungsprobleme rühren daher, dass beide Partner Programme aus ihrer Kindheit auf den anderen übertragen. Entweder kollidieren diese Systeme miteinander und es entstehen ständig Missverständnisse. Oder die beiden Systeme bestätigen sich gegenseitig, die Beziehung wird dadurch aber nur ein Nachspielen der Vergangenheit und entwickelt keine eigene Dynamik. Wenn Beziehungen deshalb an ihre Grenzen stoßen, sollten wir unbedingt Hilfe in Anspruch nehmen.

Wie ausgeprägt ist mein Selbstbewusstsein?

Kennen Sie das? Ihr Partner sagt: „Du hast dir aber ein schönes Kleid gekauft!“ und Sie reagieren mit einer lapidaren Antwort: „Das habe ich im Sonderangebot gekauft.“ Solch eine Reaktion kann ein Anzeichen eines geringen Selbstwertgefühls sein. Denn wer sich selbst nicht annimmt, misstraut oft anderen, die einen annehmen. Man kann es dann kaum ertragen, so geliebt zu werden, wie man ist.

Wenn wir aufgrund unseres geringen Selbstwertgefühls perfektionistische Charakterzüge entwickeln, reicht uns oft nichts aus. Perfektionisten mit geringen Selbstwertgefühlen verscheuchen manchmal auch andere oder wecken Schuldgefühle bei ihnen, weil nichts und niemand gut genug ist. Manche Menschen mit mangelnder Selbstachtung suchen sich auch einen Partner, dem man zujubelt, um das eigene Defizit auszugleichen. Anderen reicht es, überhaupt eine Beziehung zu haben, auch wenn sie oberflächlich ist – Hauptsache man hat jemanden. Wieder andere opfern sich auf. Sie tun alles, um ein Danke zu erhalten, oder sie verleugnen ihre Werte, um jemanden nicht zu verlieren.

Wer sich seiner Bedürfnisse nicht bewusst ist oder sie verleugnet, verliert auf Dauer das Gefühl für Verbundenheit. Und wer innerlich unzufrieden ist, geht auch hart mit anderen um. Wer sich dagegen selbst akzeptiert, kann andere leichter akzeptieren. Wenn wir uns selbst mehr akzeptieren wollen, müssen wir also wahrnehmen, wo wir mit uns selbst Mühe haben, und dann diese Eigenschaften anschauen und neu bewerten. Mit Unterstützung von geeigneten Personen oder Beratern können wir uns unserer Bedürfnisse bewusst werden und mit unserer Lebensgeschichte versöhnen. So werden wir nicht nur fähig, uns selbst zu lieben, sondern auch andere in ihrer Andersartigkeit zu akzeptieren.

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